Donnerstag, 20. Februar 2014

Exkurs: Himmel Hilf!



Selbst das als besonders trocken geltende Gebiet des Steuerrechts erlebt hin und wieder im wahrsten Sinne des Wortes seine „Sternstunden“: 
Ein Unternehmen zahlte 6 Jahre in Folge Beträge unbekannter Höhe an einen Dienstleister, der angab, „mit dem höchsten Gott“ in spirituellem Kontakt zu sein. Da der Einsatz des Dienstleisters natürlich allein weltlichen Motiven, nämlich der Steigerung des Umsatzes in Zeiten der Wirtschaftskrise, diente, müssten diese Zahlungen doch als Betriebsausgaben steuerlich absetzbar sein?! So glaubte jedenfalls das Unternehmen.

Aber weit gefehlt: selbst der höchste Gott konnte nichts gegen das Urteil des offenbar allmächtigen Finanzgerichts Münster ausrichten! Grundsätzlich könne der Steuerpflichtige zwar selbst entscheiden, welche betrieblichen Ausgaben er tätigen möchte. Wenn jedoch bei objektiver Betrachtung nicht einmal irgendein sachlicher Zusammenhang mit dem Betrieb zu erkennen ist, sei eine Grenze erreicht… Im vorliegenden Fall sei keinerlei wissenschaftlicher Erfahrungssatz dafür vorhanden, dass die „Kontaktaufnahme zu einen spirituellen Wesen (z. B. Gott)“ den Geschäftserfolg überhaupt irgendwie beeinflussen könne. Allein darauf komme es an. Deshalb fehle es an jedem Zusammenhang mit dem Betrieb und die Ausgabe könne nicht steuerlich geltend gemacht werden.

Besonders unterhaltsam ist natürlich die Passage des Urteils, die klarstellt, dass Gott auch nur eines von vielen „spirituellen Wesen“ ist, Zitat „zum Beispiel Gott“. Sehr gut, dass dies endlich einmal jemand klarstellt, der in offizieller Funktion und im Namen des Volkes spricht…


(Quelle: Finanzgericht Münster, Urt. v. 22.01.2014, Az. 12 K 759/13 G,F)